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  • 27.02.2022, Lesezeit 2 Minuten

    Was haben wir mit der Ukraine zu tun? Nichts und alles.

    Wir haben keine Partnerstadt in der Ukraine, daher betreffen uns diese Ereignisse nicht. Wirklich nicht?

    Wir sind betroffen. Wir alle.

    Dieser Krieg, der am 23. Februar 2022 begann, findet in Europa statt. Es ist jetzt nicht so, dass es seit Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 keinen Krieg mehr in Europa gegeben hätte, das vergessen wir nur allzu gerne, aber dieser Krieg rückt auch durch die mediale Nähe an uns heran. Wir werden uns bewusst, dass es hier nicht eine Auseinandersetzung verschiedener Ethnien auf dem Weg zu eigener Souveränität ist, sondern ein Krieg, in dem die Großmächte keine Stellvertreter mehr nutzen und die Konfrontation direkt suchen. Die Angst vor dem Erstschlag ist wieder real.

    Unsere Freunde aus Slowenien haben in den 90er Jahren einen Bruderkrieg erlebt, der wie jeder Krieg, keine Gewinner hinterlassen hat und noch heute als gesellschaftlicher und kultureller Konflikt in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien schwelt.

    Wir haben Vereinsmitglieder, die den letzten Weltkrieg miterlebt haben, ausgebombt wurden, Väter hatten, die aus Russland sehr spät zurückkamen, die die Not und die Ängste dieser Jahre nie vergessen haben, weil diese sich ihnen in die Seele gebrannt haben.

    Deutschland hat in dieser Zeit furchtbare Verbrechen in beiden Ländern unserer Partnergemeinden begangen. Eine Wiederholung dieser Untaten, von wem auch immer, dies haben wir uns alle als gemeinsames Ziel gesetzt, muss unter allen Umständen verhindert werden. Das haben uns Janine Granger und Rudi Rübsamen mit Vertragsschluss der Partnerschaft vor nunmehr 40 Jahren als Aufgabe aufgetragen und auch die nachfolgende junge Generation, die nach uns kommen wird. Wir werden dieses Jahr zwei Jubiläen mit Saint Florent sur Cher und Šentjur feiern, der Vereinszweck der Völkerverständigung war noch nie so aktuell sowie so drängend wie heute.

    Wir werden eine Ausweitung des Krieges nicht verhindern können, aber wir können zeigen, dass wir dagegen sind. Es ist eine Logik losgetreten worden, aus der keiner der Beteiligten ohne Gesichtsverlust heraustreten kann. Im Moment schreiben wir von Solidarität, hoffen wir, dass unsere Solidarität in größerem Ausmaß nicht erforderlich sein wird. Angestrahlte Rathäuser sind nicht nur ein augenfälliges Zeichen der Ohnmacht, sie sind ein Zeichen von Mitgefühl. Unsere Gedanken sind auch bei unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die derzeit um ihre Lieben in der Ukraine und Russland bangen. 

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